Jugendberufsprojekt Nordfriesland

Jugendprojekt ebnet Weg ins Berufsleben

Gemeinsamer Aktionsplan von Kreis Nordfriesland, Berufsschulen in Husum und Niebüll, Arbeits-Agentur, Jobcenter und Schulaufsicht

In einer konzertierten Aktion soll noch mehr jungen Leuten als bisher der Übergang von der Schule in den Job erleichtert werden. Um dies zu erreichen, haben der Kreis Nordfriesland, die Beruflichen Schulen in Husum und Niebüll, die zuständige Schulaufsicht sowie die Agentur für Arbeit Flensburg und das Jobcenter des Kreises eine Vereinbarung getroffen und das „Jugendprojekt Nordfriesland" aus der Taufe gehoben. Ihr Ziel: Die Berufsorientierung soll verbessert und deutlich intensiviert werden.

Zurzeit haben viele der insgesamt 1400 Schulabsolventen Schwierigkeiten, auf Anhieb auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Und: Allein in Nordfriesland verpassen jährlich 40 und 50 Schüler schon den Hauptschulabschluss. „Die Demografie wird uns zwingen, diese Jugendlichen in den Arbeitsmarkt zu bringen, und das ist gut für die Jugendlichen und die Wirtschaft", sagt denn auch Jan Nissen. Der im Bildungsministerium zuständige Mann für die Schul- und Fachaufsicht der Berufsbildenden Schulen lobte gestern im Husumer Kreishaus den nordfriesischen Ansatz als vorbildlich und erwartet, dass sich andere Regionen ein Stück weit daran orientieren. Nach Nissens Aussagen werden bis zum Jahr 2020 im Land 100 000 Fachkräfte fehlen – rund 20 000 mit akademischer, aber 80 000 mit dualer Berufsausbildung. Dem stehe die Tendenz entgegen, dass Eltern ihre Kinder so lange wie möglich in der Schule lassen, so Schulrätin Astrid Finger: „Dabei bringt es nichts, wenn jemand die x-te Warteschleife dreht und nicht fitter wird, den Weg in den Beruf zu finden."

Da soll das gemeinsame „Handlungskonzept plus" als Weiterentwicklung des Bildungsportals NF im Internet und der Vernetzung der Bildungseinrichtungen ansetzen.So sieht die Vereinbarung etwa eine intensivere Fortbildung der Fachkräfte für Berufsorientierung vor. Das sind Lehrkräfte an Schulen, die sich für den reibungslosen Übergang zwischen Schule und Beruf einsetzen. Früher als bisher sollen die Schüler sich künftig Gedanken über ihre Interessen und Fähigkeiten machen: „Ich wünsche mir, dass Schüler das im Lehrplan vorgesehene Betriebspraktikum als eine ganz besondere Chance begreifen, ihre beruflichen Pläne auf den Prüfstand zu stellen. Das setzt voraus, dass sie rechtzeitig solche Pläne entwickeln", sagt Finn Brandt, Leiter der Beruflichen Schule in Niebüll und Sprecher des Projekt-Koordinierungskreises. Künftig sollen schon Zwölf- und Dreizehnjährige aufgefordert werden, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Eine wichtige Rolle bei dabei spielt die Berufsberatung, die die Agentur für Arbeit anbietet. „Wir möchten den Jugendlichen möglichst früh helfen, ihre Neigungen, aber auch ihre Schwächen zu erkennen", sagt Hans-Ulrich Gripp, stellvertretender Chef der Arbeits-Agentur in Flensburg. Der Berufsberatung stehen deshalb künftig in den Beruflichen Schulen in Husum und Niebüll eigene Büros zur Verfügung.

Im Rahmen des Unterrichts zur Berufsorientierung werden die Lehrkräfte an den Schulen gemeinsam mit den Agentur-Mitarbeitern mit allen Schülern abklären, für welche Berufsfelder sie sich eignen, Praktika vermitteln und die Jugendlichen mit Vertretern der Wirtschaft zusammenbringen.

Gegen Ende der Schulzeit sollen die Schüler in Ausbildungs- oder Arbeitsplätze vermittelt werden oder eine Schullaufbahn- und Studienberatung erhalten. Für Jugendliche, die besonderer Betreuung bedürfen, stehen dem Jugendberufsprojekt Coaches zur Verfügung, die das Land finanziert. Zudem helfen die sozialen Dienste des Kreises.

„Unser oberstes Ziel besteht darin, alle Schulabgänger so vorzubereiten, dass sie an ihrem letzten Schultag einen Schulabschluss und eine Lehrstelle oder einen Studienplatz in der Tasche haben", erläutern die Schulleiter Finn Brandt und Michael Kwauka. Für Landrat Dieter Harrsen geht es darum, dass niemand endgültig zu einem „Bildungsverlierer ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt" wird: „Wir können es uns auch wirtschaftlich nicht leisten, Talente nicht zu fördern."

Ansprechpartner

Kay Bahnsen
Marktstr. 5, 25813 Husum
Tel. 04841 67144
kay.bahnsen@nordfriesland.de